Wald in Flammen
Neuenglands Indian Summer ist ein Feuerwerk der Farben

von Nicolas van Ryk



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Indian Summer in Vermont: Indianer erklärten die Farbenpracht der Herbstwälder mit der Legende vom Blut des Großen Bären, den sie vor Anfang des Winters zur Strecke gebracht hatten. In der zweiten Septemberhälfte hat der Farbenrausch seinen Höhepunkt im Norden Neuenglands in Maine, New Hampshire und Vermont. Im Oktober ist der Indian Summer in Massachusetts, Connecticut und Rhode Island auf dem Höhepunkt.

Indian Summer in Vermont: Indianer erklärten die Farbenpracht der Herbstwälder mit 	der 	Legende vom Blut des Großen Bären, den sie vor Anfang des Winters zur Strecke 	gebracht hatten. In der zweiten Septemberhälfte hat der Farbenrausch seinen Höhepunkt im 	Norden Neuenglands in Maine, New Hampshire und Vermont. Im Oktober ist der Indian 	Summer in Massachusetts, Connecticut und Rhode Island auf dem Höhepunkt.Bauernhof in New Hampshire: Die Holzhäuser weiß, der Himmel blau und dazu die 	leuchtenden Farben der Blätter im Herbst.Nubble Light House in Cape Neddick: Nördlich von York Harbor nimmt Long Beach 	seinen 	Ausgang. Der lange Sandstrand geht über in die York Beach und läuft weiter bis 	zum 	Leuchtturm aus dem Jahre 1879.Besonders markant glänzen die tiefroten Zuckerahornbäume: Während im Sommer 	das 	grünfarbige Pigment des Chlorophylls dominiert, setzen sich im Herbst mit abnehmender 	Anzahl von Tageslichtstunden die Farbstoffe der Anthocyanidine und Karotinoide durch, die 	sich für die roten, gelben oder orangen Farben verantwortlich zeigen. Der Indian Summer ist 	bunter als die Blätter der europäischen Wälder im „Altweibersommer“, weil die 	Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht größer ausfallen: auf frostige Nächte folgen 	spätsommerlich warme Tage.Landscheune in Vermont auf dem Weg zwischen Woodstock und Montpelier, der Hauptstadt Vermonts.Chrysanthemen und Kürbisse: Die Früchte des Indian SummerZu Halloween zieren Kürbisse und bizarre Vogelscheuchen die Vorgärten der 	Landhäuser. Die Puppen sollen die bösen Geister fernhalten und die Kürbisse eignen sich 	für schmackhafte und gesunde Suppen.Bauernscheunen an der Landstraße nach Littleton in New Hampshire: Von dort ist es 	nicht mehr weit zum White Mountain National Forest. Im höchsten Gebirge Neuenglands mit 	dem 1917 Meter hohen Mount Washington ist die herbstliche Blätterfärbung des Fall Foliage in 	der zweiten Septemberhälfte am buntesten. Dann herrscht auch Hochbetrieb auf dem 	reizvollen Kancamagus Highway, der sich zwischen Conway und Lincoln entlang von Swift 	River und Pemigewasset River 55 Kilometer quer durch die Wälder und Schluchten der White 	Mountains windet.Im Mount Washington Hotel im Norden New Hampshires wurden im Juli 1944 auf der 	dreiwöchigen internationalen Wirtschaftskonferenz von Bretton Woods der Internationale 	Währingsfond und die Weltbank gegründet. Initiatoren des Treffens von 44 Staaten über 	Wirtsschaftsprobleme der Nachkriegszeit waren der Nationalökonom John Maynard Keynes 	und US-Finanzminister Henry Morgenthau.Die Kirche im Grenzstädtchen Littleton in New Hampshire: Zum Nachbarstaat Vermont 	sind es nur wenige Kilometer. Der Connecticut River trennt die beiden Kleinstaaten 	voneinander. Gemeinsam ist ihnen jedoch ihre neckisch-skurile Haßliebe zueinander.Wetteifern mit den Farben des Indian Summer: Kürbisse. Die größten können bis zu 	200 	Kilogramm schwer werden und so groß sein wie ein herkömmliches Weinfaß.Wer die schönsten Strohpuppen, Hexen oder Kobolde in seinem Vorgarten hat, 	entscheidet der Geschmack des Betrachters oder das Geschick des Hauseigentümers.Mann hummert sich so durch in Trenton, Maine: Es gibt viele Möglichkeiten, den 	Hummer (lobster) zu genießen. Die Yankees essen ihn ohne weitere Umstände gedünstet oder 	gegrillt mit zerlassener heißer Butter. Beim Zerlegen der Tiere ist eine chirurgische 	Ausbildung vielleicht von Nutzen. Als Hilfe gibt es Zangen, mit denen die roten Schalentiere 	aufgeknackt werden. Zum Lobster wird selbstverständlich Weißwein getrunken.Camden in Maine ist ein pittoresker Küstenort mit 5100 Einwohnern. Den besten Blick auf die Stadt hat man vom 244 Meter hohen Mount Battie.Freeport ist das Einkaufsmekka in Maine: Outlet Stores bekannter Markenhersteller 	säumen die Hauptstraße von Freeport. Dennoch gibt es auch unverkäufliche Wohnhäuser 	im 	Shopping-Town. Im 18. Jahrhundert nahm die Stadt ihren Anfang als Verladehafen für große 	Baumstämme, die zu Masten der britischen Marinesegelschiffe 	verarbeitet wurden. Bekannt 	ist Freeport auch als Herkunftsort von Gummistiefeln. Ab 1912 verkaufte Leon Leonwood 	Bean (L.L.) erstmals seine Stiefel per Katalog.Boothbay in Maine: 2300 Einwohner leben in Boothbay Harbor. In diesem im 17. Jahrhundert gegründeten und von etwa 1870 an für den Tourismus hergerichteten 	malerischen Fischerort dreht sich alles um den Hummerfang. Wer will, kann mit den 	Fischern aufs Meer fahren.Auf Cape Elizabeth steht 16 Kilometer von Portland entfernt einer der schönsten 	Leuchttürme Maines. Das Portland Head Light von 1790 hat die Jahre fast unverändert 	überstanden.Das nordöstlich von Gloucester an der Sandy Bay gelegene Rockport ist ein altes 	Fischerstädtchen mit schmalen, im Hochsommer stets verstopften Gassen. Nur im 	Morgenlicht herrscht Ruhe, wenn die ersten Sonnenstrahlen die bunten Häuschen am 	pittoresken Hafen beleuchten. In den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts entstand 	Rockports Künstlerkolonie, die in dieser Idylle unzählige Motive fand.Herbstidylle in Gloucester, Massachusetts: Der Staat mit der Hauptstadt Boston ist unter 	den sechs Neuengland-Staaten der historisch bedeutsamste: Mit der Ankunft der 	„Mayflower“ 	in Provincetown im Jahre 1620 begann die Besiedlung der Neuen Welt durch die Puritaner.Morgenstimmung in Trenton unweit des Acadia National Parks in Maine.

Der Ball ist nicht rund. Die Jungs vom College spielen Baseball auf dem Recreation Field in Vermonts Hauptstadt Montpelier. Das ovale Rund surrt durch die Luft, seine Fänger schlittern über den regennassen Rasen. Die Wolken hängen tief an diesem Herbsttag. Die kleinste Hauptstadt der amerikanischen Bundesstaaten und seine 8200 Einwohner haben sich noch mehr eingekuschelt. Umgeben von Laubwäldern und eingebettet in gehügelte Landschaften ist Montpellier das erste Dorf des bäuerlichen Green-Mountain-State Vermont. Die Goldkuppel des Regionalparlaments strahlt selbst bei Regentagen in die Landschaft hinein. Unter dem Kapitolsdach wird ein Zwergstaat regiert, in dem die Farbe Grün nicht nur auf den Kuhweiden bestimmend ist. Werbetafeln sind an Vermonts Straßen verboten, ein Flaschenpfand gibt es schon länger und die Universitätsstadt Burlington nahe Kanadas Grenze zählt neben dem weitentfernten Seattle zu den Zukunfts-Städten: Überschaubare Größe, niedrige Kriminalitätsrate, höhere ökologische Lebensqualität und eine starke wirtschaftliche Orientierung auf die Informationstechnik. Auch historisch ist Vermont eigen. Das Land erklärte dem Regime Adolf Hitlers 1941 zwei Monate vor dem Kriegseintritt der USA offiziell den Krieg.

Vermont ist einfach schön und friedlich dazu. Die Laubwälder haben sich im Oktober verwandelt. Ahorne, Buchen, Eiben oder Eichen haben ihr sommerliches Grün eingefärbt in gelbe, braune und rote Blätter. Feuerrote Blätter sind dabei die Spezialität Neuenglands. Wie Verkehrsampeln leuchten die Farben des Herbstes in der Landschaft. Bevor die Blätter von den Bäumen fallen, werden sie in einem Feuerwerk der Farben verabschiedet. Die "Fall Foliage" ist im amerikanischen Herbst ein Gesellschaftsereignis. Im Fernsehen berichtet die Leaf Lady als Blätterdame von den buntesten Gegenden. An den Wochenenden fahren die Menschen den farbigen Höhepunkten entgegen. Sehr zur Freude der Motelbetreiber. Wer freitags oder samstags am Nachmittag kein Motelzimmer hat, kann bis in die Dunkelheit hinein suchen oder ein teureres Hotel ansteuern. Von den nördlichen Weiten Kanadas rollt im Oktober eine feurige Farbenwalze in den Süden und im grünen Vermont und dem Nachbarstaat New Hampshire brennen die Farben der Wälder besonders heftig. Die naturwissenschaftliche Erklärung hierfür ernüchtert freilich. Die Temperaturschwankungen zwischen kalten Nächten um die Frostgrenze herum und warmen Graden in der Mittagssonne sind die Voraussetzung für die feurigroten Pigmentstoffe in den Blättern.





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