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Fährboote auf dem Weg zum Chua Huong: Die „trockene Ha-Long-Bucht“ 60 Kilometer südlich von Hanoi in der Provinz Ha Tay ist eine Landschaft zum Träumen und war Kulisse für den Film „Indochine“.
Fährboote auf dem Weg zum Chua Huong: Die „trockene Ha-Long-Bucht“ 60 Kilometer südlich von Hanoi in der Provinz Ha Tay ist eine Landschaft zum Träumen und war Kulisse für den Film „Indochine“.
| Vor über 30 Jahren kam Vietnam zur Ruhe. Am 30. April 1975 verlassen die letzten Amerikaner in einer spektakulären Rettungsaktion Saigon. Mit Hubschraubern werden Militärberater und Botschaftsangehörige über das Dach der Botschaft ausgeflogen. Ein Hubschrauber, an dessen Kufen sich Dutzende Verzweifelter hangeln, verliert an Höhe, schrabbt nach unten und schlägt mit dumpfem Krachen auf dem Dach der Botschaft auf. In Vietnam hat David Goliath niedergerungen: Ein unterlegenes Volk hatte die Großmacht USA scheitern lassen. Seit 1946 wurde um Vietnam gekämpft. Bis 1954 versuchte Frankreich seine Stellung als Kolonialmacht zu behaupten. Ab 1964 wollten die Amerikaner das Vordringen des Kommunismus aufhalten. Vergessen wurde die Widerstandsfähigkeit der Bevölkerung und der über 2000-jährige Nationalwille eines Volkes. Während dieser Kriegsjahre kamen mehr als zwei Millionen Vietnamesen um, 57000 amerikanische Soldaten ließen in den Sümpfen und Wäldern des Landes ihr Leben. Mit insgesamt sechs Millionen Tonnen Bomben wurde in Indochina dreimal mehr Zerstörungskraft abgeworfen als über Deutschland während des Zweiten Weltkrieges.
Der Bus hält zweimal am Tag in Ca Na. Vormittags stoppt der Überlandbus aus Ho-Chi-Minh, dem südvietnamesischen Saigon, und am frühen Nachmittag legt der Nationalbus aus Hanoi einen Kaffeestopp in dem kleinen Badeort ein. Die wenigen Vorbeikommenden können direkt vom Bus an den Strand steigen. 250 Kilometer von Saigon entfernt führt die Küstenstraße in Ca Na unmittelbar am südchinesischen Meer vorbei. Diese Straße ist Vietnams einzige Verbindung zwischen der Hauptstadt Hanoi und der Wirtschaftsmetropole Saigon im Süden des Landes. Auf einer 1700 Kilometer langen Strecke führt der Weg an Reisfeldern, Bergrücken, quirligen Städten und geschichtlichen Stätten vorbei. Ca Na gehört noch zu den weißen Flecken auf der Wirtschaftswunder-Karte der in Hanoi regierenden Sozialisten. Die meisten Touristen fahren an der malerischen Badebucht vorbei. Das rotglühende Abendlicht der untergehenden Sonne taucht den einsamen Strand in Ruhe ein. Das Meeresrauschen übertüncht die Stille des Ortes. Im Strand-Restaurant gibt es frischen Fisch, neugierige Ratten huschen über die Veranda. Zwei wachthabende Dorfpolizisten langweilen sich in Plastikstühlen. So sehr anders als die Volkspolizisten der ehemaligen DDR. Da gibt es keine schikanösen Ausweiskontrollen. Besucher sind vielmehr willkommen. Sie sollen Devisen ins Land bringen, am besten als Botschafter und Trendscouts für nachfolgende Investoren Vietnam bereisen. Vielleicht ist das polizeiliche Desinteresse aber einfach nur gelebte Siegerpose. Mit der Einnahme Saigons vor einem Vierteljahrhundert übernahmen die siegreichen Nordvietnamesen den kapitalistischen Süden. Ein Jahr später, im Juli 1976, wurden die 22 Jahre lang getrennten Landesteile wiedervereinigt. Gewissermaßen hat in Vietnam die DDR eine unterlegene Bundesrepublik übernommen. Doch wirtschaftlich lagen die Sieger am Boden, hatten verloren und waren im Wortsinne ausgeblutet. Kaum eine Familie, die nicht einen Angehörigen in den Jahrzehnten der Kriege verlor. Bis 1990 wurde die „Sozialistische Republik Vietnam“ vom Westen boykottiert und isoliert. Die Politik einer vietnamesischen Perestroika, Doi Moi genannt, lädt jedoch ab 1986 ausländische Investoren ins Land ein. Dabei scheint der unterlegene Süden heute weiter entwickelt zu sein als die Hauptstädter im fernen Hanoi. Häusergroße Reklametafeln am Song-Sai-Gon-Fluss, Bürohochhäuser oder ausländische Bankniederlassungen zeigen das neue Wirtschaftswachstum. |
| Geschichte ins Museum gesteckt Das Leid der vergangenen Kriege ist in ein Kriegsmuseum gepackt. Sorgsam werden dort Beutestücke der amerikanischen Kriegsmaschinerie gepflegt. Kampfbomber sollen zeigen, dass die Vereinigten Staaten mit einer überlegenen, computergesteuerten Kriegstechnologie den Feind mal eben zum Anstand bringen wollten. In Gläsern konservierte Föten verstümmelter Kinder künden in erschreckend bildlicher Weise, welche Spätschäden die Giftgasangriffe und die Entlaubungsaktionen mit dem dioxinhaltigen „Agent Orange“ nach sich zogen. Doch heute blicken die Menschen voran. Aus dem ehemaligen „United States Information Service“ wurde das koloniale Luxushotel „Rex“. Vom Dachgarten dieses Hotels kann man den Bauarbeitern des Booms beim Aufschichten der Büroetagen zuschauen. Früher trafen sich dort Offiziere, Zelebritäten und Kolonisten zum Verplanen der ausstehenden Siegerbeute. Daraus wurde dann nichts. Doch seit der amerikanische Präsident Clinton am 3. Februar 1994 das offizielle Ende der Wirtschaftsblockade verkündete und vor vier Jahren die US-Botschaft in Hanoi wiedereröffnet wurde, versuchen die Amerikaner das Land mit friedlichen Methoden zu gewinnen. Zahlreiche US-Firmen engagieren sich heute in Vietnam. Mehr noch als deutsche Firmen, die von der Politik der alten Kohl-Regierung teilweise alleine gelassen wurden. Etwa 80 Prozent aller im Ausland ausgebildeten vietnamesischen Ärzte, Physiker, Ingenieure oder Wissenschaftler lernten in der DDR ihr Handwerk. Die durch die DDR geöffneten Türen nutzte die Bundesregierung aber zu wenig, um die zukünftigen Absatzmärkte in Indochina zu erkennen. Immerhin rollen Mercedes-Wagen in Saigon seit fast fünf Jahren vom Band und BMW hat in der Nähe von Hanoi ein Autowerk errichtet. Dort allerdings rollen die Räder der Rikschas, Fahrräder und Mopeds. Die Hauptstraßen der Drei-Millionen-Stadt sind mit Tausenden von Zweirädern befahren. Auf vier Rädern rollen lediglich Lastwagen oder Busse durch die Alleen von Hanois Altstadt. Privatwagen fahren nur Funktionäre oder die wenigen Neureichen, die fest im Sumpf der Partei-Korruption verwurzelt sind. |
| Entensuppe als Medizin Ganz anders als die Stadt Saigon, die in der Kolonialzeit oft mit einer Hure verglichen wurde, hat die jungfräuliche „Miss Hanoi“ den ursprünglichen Charme eine asiatischen Großstadt erhalten. Noch behält sie ihren Charme: Ein Triumph der postmodernen Art wäre, wenn etwa der bauwütige Modernismus Bangkoks an Vietnams Hauptstadt vorbeizöge. Wenige Hochhäuser, alte Häuser mit höchstens drei Etagen, Kolonialfassaden wie die renovierte Oper und unzählbare Garküchen an den Gassenrändern und unter den Baumreihen lassen hoffen. In diesen Küchen simmern vorzügliche Suppen den ganzen Tag vor sich hin. Für umgerechnet achtzig Pfennige gibt es eine große Schüssel Suppe mit frischen Kräutern und zartem Entenfleisch. Der eingelegte Knoblauch und die scharfen Gewürze machen die Pho-Suppe zur Medizin. Diese Spezialität Hanois kann Magenkrämpfe beseitigen und Hunger stillen. Auf kleinen Plastikschemeln wird dem Gast der Platz gewiesen zum „Suppe fassen“. Gelöffelt wird mit Stäbchen, die Brühe schlürfend eingesogen. „Luc-Luc“, nuscheln die Kochfrauen, wenn sie ihre Kunden deutsch reden hören. Das heißt Deutschland auf vietnamesisch und meint ganz weit weg. Wie hinter den Bergen, auf einer Lummerland-Insel kommt man sich in der Ha-Long-Bucht vor. Hunderte von Felsrücken ragen aus dem Meer hervor. Nach China ist es nicht mehr weit. Dort können sich Piraten verstecken. Oft hüllt der Küstennebel die Steinblöcke ein. Dann können sich die Fischerdschunken oder die Korbflechter-Boote hinter den Bergfelsen verstecken. Ähnlich versteckt und abgelegen ist die „trockene Ha-Long-Bucht“ in der südlich Hanois gelegenen Provinz Ha Tay. Dort hat sich das Meer bis auf die Flusswege zurückgezogen. Über diese Wasserwege ist die Parfüm-Pagode Chua Huong zu erreichen. Sie bildet zusammen mit den Grotten, Tempeln und Höhlen im Berg der Duftenden Spuren von Huong Tich einen abgelegen Wallfahrtsort in einer märchenhaften Landschaft. Vom Duft der Blütenpollen hat auch der Parfümfluss Song Huong in der Kaiserstadt Hue seinen Namen her. Am Fluss liegt die Zitadelle der kaiserlichen Stadt und die achteckige Thien-Mu-Pagode. Und über das zumeist braun gefärbte Wasser des Duftflusses geht es zu den Grabmälern der Nguyen-Dynastie. Hier bauten sich die Kaiser von Hue im 19. Jahrhundert Grabmale zur Verherrlichung ihrer Macht, die sie von Frankreichs und Japans Kolonialgnaden erhielten. Ähnlich wie Ludwig II. in Neuschwanstein oder Linderhof tobten sich die Grabarchitekten dort aus und hinterließen Besucherattraktionen, die die Kulturorganisation UNESCO 1993 zum Weltkulturerbe ernannte. Während der sogenannten Tet-Offensive im Frühjahr 1968 nahmen Vietcong-Soldaten Hue ein und verteidigten die Kulturstadt für drei Wochen. Artillerien und Luftwaffen der kämpfenden Einheiten legten daraufhin die Hälfte der 250000 Einwohner zählenden Stadt in Schutt und Asche. Südlich von Hue verlief die Demarkationslinie entlang des 17. Breitengrads, die den kommunistischen Norden vom kapitalistischen Süden Vietnams trennte. Heute sind Cafés nach dieser Systemgrenze benannt, Kinder spielen auf den verrosteten Kampfpanzern der Straßenschlachten und im Huong-Giang-Hotel steigt der japanische Modemacher Kenzo inkognito ab, um Geschäfte und Modeaufnahmen für seine Konfektionen vorzubereiten. |
| Mode nach Maß aus der Märchenstadt Über Nacht wird in Hoi An Mode gemacht. Maßanzüge für 30 Euro hüllen Touristen in feines Tuch. Aus aktuellen Modeheften wird abgeschneidert und wer genau weiß, was er will, kann sich viel Geld sparen. Die Altstadt von Vietnams Rothenburg wurde Ende des vergangenen Jahres von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt. 130 Kilometer südlich von Hue gelegen ist es nicht mehr ein Geheimtipp für Touristen, aber die alten Holzhäuser aus dem frühen 19. Jahrhundert bilden die besten Kulissen für die Phantasie-Vorstellungen über ein fernöstliches Indochina. Das Internet-Café in der Geschäftsstraße Le Loi dagegen regt die Wünsche der Einheimischen an. Es ist ein Symbol für den Wandel Vietnams nach dem langen Marsch in den Frieden. |
| Informationen zu Vietnam: Im Norden sind die Temperaturen subtropischer Natur. Jahreszeitlich wechselnde Winde führen zu trockenen Winter- und feuchten Sommermonaten. Die zentralen und südöstlichen Regionen haben ein tropisches Klima mit hohen Temperaturen und großen Niederschlagsmengen. In Hanoi reichen die Temperaturwerte von etwa 13° Celsius im Januar bis zu 33° C im Juni. Die mittlere Niederschlagsmenge beläuft sich hier auf 1.830 Millimeter. Die Einwohnerzahl beträgt etwa 72,5 Millionen, was eine Bevölkerungsdichte von rund 219 Einwohner pro Quadratkilometer ergibt. Einreise-Visa erteilt die Botschaft der Sozialistischen Republik Vietnam, Elsenstr. 3, 12435 Berlin, Tel: 030-53630108, Fax: 030-53630200. Im Internet unter www.vietnamtourism.com gibt es Informationen der staatlichen Fremdenverkehrsbehörde. Reiseliteratur: Wolf-Eckart Bühler/ Helle Kothmann, Vietnam, Know How-Verlag Bielefeld, 576 S., ISBN 3-83171309-X, 7. Aufl. 2004, 22,50 Euro. Das Land verfügt über Hotels aller Kategorien. Währung ist der Dong zu 100 Xu. 14.000 Dong entsprechen einem Euro. Vietnam ist trotz des Wirtschaftswachsstums ein armes Land. Das durchschnittliche Jahreseinkommen beträgt 310 US-Dollar (Deutschland: 28.280 US-Dollar). Die Kriegsjahre hinterließen im Verkehrsnetz unübersehbare Spuren. Seit dem Ende der militärischen Auseinandersetzungen ist man bemüht, den Süden mit dem Norden verkehrstechnisch zu verbinden. Bislang verbindet die Nationalstraße 1 die Städte Hanoi mit Saigon. Auf dieser Küstenstraße fahren Überlandbusse oder Touristenbusse der staatlichen Organisation Sinh Cafés. Für etwa 40 Euro (Hanoi-Saigon oder umgekehrt) kann ein Open-Ticket gekauft werden, mit dem man jeweils vom Hotel abgeholt wird und selbst festlegt, wann es weiter gehen soll. Das Streckennetz der Eisenbahn verläuft vorwiegend im Norden des Landes. Eine Ausnahme bildet die 1730 Kilometer lange Eisenbahnverbindung zwischen Hanoi und Ho-Chi-Minh-Stadt. Die vietnamesische Fluggesellschaft Vietnam Airlines fliegt alle größeren Städte an und bietet ausländische Flugverbindungen nach Berlin oder Paris an. Tägliche Flüge von Hanoi nach Hue oder von Hue nach Saigon kosten einfach etwa 80 Euro. Internationale Flughäfen befinden sich in Ho-Chi-Minh-Stadt und in Hanoi (Noi Bai). Thai Airways (www.thaiair.com) bietet tägliche Flüge von Frankfurt nach Hanoi oder Saigon über Bangkok für etwa 800 Euro an. Empfehlenswert ist eine Reisekombination mit Kambodschas Tempelanlage Angkor Wat. Hier ist die Route Bangkok-Hanoi-Hue-Saigon-Phnom Penh-Siam Riep(Angkor)-Bangkok oder umgekehrt möglich. |
































